Geschichte der Kanzlei


Das Patentwesen in Deutschland war Mitte des 19. Jahrhunderts ebenso zersplittert wie das Land selbst, das unter seiner Aufteilung in zahlreiche Einzelstaaten litt. Mit der Gründung des deutschen Reiches im Jahr 1871 wurde dann aber der Weg zu einem deutschen Patentwesen geebnet. Das erste einheitliche deutsche Patentgesetz trat 1877 als "Reichspatentgesetz" in Kraft.

Die Bearbeitung von Patentsachen erforderte schon damals umfangreiche technische und spezielle rechtliche Kenntnisse. Deshalb bestand von Anfang an Bedarf an versierten Fachleuten, die sich im Auftrag der Unternehmen ausschließlich diesen Angelegenheiten widmeten. Einer dieser "Patent-Agenten", wie sie seinerzeit genannt wurden, war der Ingenieur Alexander Specht (s. Foto 1). Bereits im Vorgriff auf das kommende Gesetz gründete er im Dezember 1876 unsere Kanzlei an ihrem Hamburger Standort. Am 4. November 1878 meldete er für Charles Horatio Waterous jr. aus Brantford / Kanada "sein" erstes Reichspatent an. Es trug den Titel "Neuerungen an Locomobilen" und erhielt die Anmeldenummer 20626 (s. Veröffentlichung im "Illustrierten Patent-Blatt" von 1878) (2).

Als das deutsche Patentwesen schnell in Schwung kam, wuchs auch die Kanzlei. Bereits 1879 nahm Alexander Specht die Ingenieure Rudolph Ziese und Johann Petersen als Partner auf. Unter dem Namen "Specht, Ziese & Co., Patent- und technisches Bureau" residierte die Kanzlei am alten Fischmarkt in Hamburg (s. Foto aus den 1880er Jahren) (3). Mit der Firma "Specht, Ziese & Co." wurde die Kanzlei als offene Handelsgesellschaft in das Handelsregister beim Amtsgericht Hamburg eingetragen (s. Handelsregisterauszug zur Nr. 18334) (4). Um die Jahrhundertwende trat der Ingenieur Julius Stuckenberg in die Kanzlei ein.

Durch das "Gesetz betreffend die Patentanwälte" aus dem Jahr 1900 wurde der Beruf der "Patent-Agenten" in Deutschland erstmals gesetzlich geregelt und die Berufsbezeichnung "Patentanwalt" eingeführt (s. Bild 5). Die Anwälte der Kanzlei nannten sich von da an ebenfalls Patentanwälte (s. Handelsregisterauszug zur Nr. 32907 u. Aktendeckel) (6) und (7).

Kurz vor dem 1. Weltkrieg trat der Ingenieur Rudolf Specht in die Kanzlei ein, der sie von 1918 an bis zu seinem Tod im Jahr 1930 allein führte. Danach wurde sie von den Ingenieuren Johannes Fritze und Carl Stoepel übernommen (s. Handelsregisterauszug HRA 13627) (8). Damit wurde die Kanzlei überörtlich. Denn Carl Stoepel war von Berlin aus tätig (s. Aktendeckel) (9), dem damaligen Sitz des Reichspatentamts. Die Räume des Hamburger Büros befanden sich seinerzeit in der Spitaler Straße, später in der Lilienstraße.

Soweit heute noch bekannt, ging der 2. Weltkrieg nicht spurlos an der Kanzlei vorbei. Carl Stoepel wurde nach unseren Informationen ausgebombt, verließ die Kanzlei und richtete nach dem Krieg an seinem Heimatort Landau (Pfalz) eine eigene Kanzlei ein. Johannes Fritze konnte zwar seine Tätigkeit fortsetzen, musste jedoch mehrfach die Büroräume verlegen. Nach dem Krieg stieß der Chemiker Dr. Werner Koch hinzu, der zuvor schon in Berlin als Patentanwalt tätig war und in den Kriegswirren seine Kanzlei aufgeben musste (s. Aktendeckel) (10).

Etwa um 1949 bezog die Kanzlei ihre Hamburger Räume in der Simon-von-Utrecht-Straße. Da sich zu der Zeit abzeichnete, dass das neue Deutsche Patentamt seinen Sitz in München erhalten würde, begann Werner Koch mit der Einrichtung von Kanzleiräumen vor Ort in der Kolbergerstraße. Diesen Zweitsitz musste die Kanzlei jedoch sogleich wieder aufgeben, da Johannes Fritze bereits 1950 unerwartet starb.

Das heutige Münchener Büro wurde dann aber 1952 von Dr.-Ing. Richard Glawe wieder eröffnet, nachdem dieser bei Werner Koch seine Ausbildung zum Patentanwalt absolviert hatte und als Partner in die Kanzlei eingetreten war. 1964 verstärkte der Ingenieur Klaus Delfs das Hamburger (s. Aktendeckel) (11), und 1968 der Physiker Dr. Walter Moll das Münchener Büro.

Nach dem Tod von Werner Koch nahm die Kanzlei ihren heutigen Namen "GLAWE DELFS MOLL" an. Inzwischen hat sie sich durch Aufnahme von Patentanwälten für die verschiedensten technischen Fachgebiete sowie eines Rechtsanwalts nach und nach vergrößert und bietet sämtliche Dienstleistungen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes an (s. Anwälte).

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Alexander Specht
(1)
PA 20626
(2)
Fischmarkt Hamburg
(3)
HRA 18334
(4)
Patentanwaltsgesetz von 1900
(5)
HRA 32907
(6)
Aktendeckel Specht Ziese & Co
(7)
HRA 13627
(8)
Aktendeckel Fritze Stoepe
(9)
Aktendeckel Fritze Koch
(10)
Aktendeckel Koch Glawe Delfs
(11)

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